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Abreisetag

Auf geht's! Nach wochenlangem Recherchieren und Einkaufen, Probefahren, Probepacken und Probeschlafen und starte ich zu meinem Abenteuer - 2700 km mit dem Rad von Dietmannsried nach Lissabon!

Tag 1: Bregenz
Ich starte mit einem vollgepackten Rad und bei bestem 
Wetter. Der Abschied für drei Monate fällt schwer, aber ich freue mich auch total auf mein Abenteuer. Drei Monate auf dem Rad, im Zelt und auf dem Weg zum Atlantik.

Tag 2: Landquart CH 

Stundenlang radle ich am Rhein entlang, eigentlich echt schön – aber leider ab Vaduz im Dauerregen und bei 13 Grad.  Auf den Pässen schneit es bereits, hoffentlich nicht auf dem Splügenpass übermorgen... 

 Tag 3: Splügen CH    

 Alles ist feucht und klamm, aber wenigstens regnet es nicht mehr. Also packe ich mein nasses Zeug zusammen und radle über Chur nach Splügen, endlich in die Berge! Dank meines Navis (super Produkt, Komoot!) bin ich den ganzen Tag auf Radwegen, Nebenstraßen und Waldwegen ohne Verkehr unterwegs - perfekt! 


 Tag 4: Splügenpass und Comer See   

Ein toller Tag! Zur Überquerung des Splügenpasses traumhafte Bedingungen, Kaiserwetter! Und so eine beeindruckende Straße! Ciao Italia! 
29 km spektakuläre Abfahrt nach Chiavenna mit 51 Kehren, ich ziehe alles an, was ich habe, Jacke, Pulli, Mütze, Handschuhe. Unten erwartet mich der Sommer mit 23°, ich gönne ich mir erstmal Pizza und Cappu. Weiter nach Domaso an den Comer See, hier werde ich zwei Tage Pause machen, meine Wäsche waschen und mich erholen. 

Tag 5:  Comer See   

Drei Monate Bikepacking heißt drei Monate...
... nicht daheim sein.
...nur so viel haben, wie das Fahrrad tragen kann.
...ohne Auto, eigene Dusche, eigenes Bad, eigenes Bett.
...nicht fernsehen. 
...ohne Kühlschrank, ohne Vorräte.
...mit nur vier TShirts, zwei Pullis, einem Paar Schuhe, einer langen und einer kurzen Hose.
...immer auf der Suche nach einer Steckdose, wo man die Geräte laden kann, und einem verfügbaren Wlan. 
...bei jedem Wetter Rad fahren.

Drei Monate Bikepacking heißt aber auch...
...etwa 2700 km mit gut 28.000 hm durch acht europäische Länder radeln.
...nie Radrunden, sondern immer nur Radstrecken mit täglich neuen Eindrücken fahren. 
...völlig frei und unabhängig sein.
...jeden Tag neugierig und gespannt sein, was kommt.
...jeden Tag etwas Schönes erleben. 
...draußen sein und in und mit der Natur leben.
Pausentag am Comer See, das Wetter ist perfekt, der Campingplatz so gut wie leer. Ich wasche meine Wäsche und setze mich auf meine neue erworbene Strandmatte (sie wird leider dableiben müssen) auf die Liegewiese. Herrlich! Ich glaube, das mache ich morgen gleich nochmal 😉

Tag 6:  Comer See   

Ich hänge noch einen Faulenzertag am See an und plane in Ruhe meine Route für morgen; es geht 
über 113 km und 1000 hm zum Lago Maggiore. Das liegt zwar nicht ganz auf meiner Route, zwischen 
Como und Turin hat aber sonst kein Campingplatz mehr geöffnet. Und schön ist da allemal. Ich freue 
mich auf das Radln!

Tag 7:  Lago Maggiore
Schöner geht’s nicht! Bei sommerlichen Temperaturen gehe ich auf große Seentour: vom Comer See über den Lago di Piano, den Luganersee, den Lago di Comabbio zum Lago Maggiore. Einer ist idyllischer als der andere. Kurzer Zwischenstopp in Lugano, hinter mir die Louis Vitton Filiale; leider habe ich keinen Platz mehr in meinem Gepäck… 

Tag 8: Saluggia    

Die Tour heute war ein bissl langweilig, stundenlang ging es geradeaus an Reisfeldern vorbei über flaches Land. Die heftigen Offroadstrecken, die Komoot eingebaut hatte, waren dafür ziemlich fordernd. Am Lago di Viverone, meinem eigentlichen Ziel, gabs keinen überdachten Platz für mich (morgen soll es nämlich den ganzen Tag regnen), also bin ich weiter nach Saluggia, wo ich ein günstiges Zimmer gefunden habe. So bin ich dann doch noch auf über 100 km gekommen, habe aber ein Zimmer mit Bett und Bad – zur Abwechslung auch mal richtig schön!

Tag 9: Saluggia    

 Pausentag in Saluggia. (Kennst du nicht? Macht nix!) Der angekündigte Regen wäre gar nicht so 
schlimm gewesen, aber nun ist die Wäsche schon gewaschen und ich kann erst morgen weiter nach 
Turin, wenn sie trocken ist. Also verbringe ich den Tag mit Lesen, Spazierengehen und Erholen. Und 
natürlich verfolge ich die Bundestagswahl; sehr spannend. 

Tag 10:  Torino   

Juhu, die Sonne scheint wieder, auf geht’s nach Turin! Nach nur zwei Stunden Fahrt stehe ich vor dem Turiner Dom. Ich radle kreuz und quer durch die Innenstadt und trinke einen Cappu an der Via Po. Mein Campingplatz ist 15 km außerhalb, dafür aber ruhig und im Grünen.  

Tag 11:  Torino   

Ein wunderbarer Tag in Turin, mal was ganz anderes: Sightseeing, Museen, durch die Stadt cruisen, ohne Gepäck und in Turnschuhen. Und Turin ist eine wirklich schöne Stadt mit vielen prachtvollen Straßen, Plätzen und Gebäuden und einigen Sehenswürdigkeiten. Ich besuche z.B. die Pinacoteca Agnelli: Auf dem Dach der früheren Fiat-Produktionsstätte und des heutigen Kaufhauses Lignotto befindet sich eine Teststrecke mit Steilkurven und ein riesiger Dachgarten, angeblich der größte der Welt. Cool fand ich auch das Museum of Urban Art MAU, das eigentlich gar kein Museum ist, sondern ein Stadtviertel, in dem sich viele Streetart Künstler auf den Häuserwänden verewigt haben. Und dann wird auch noch geshoppt: Im größten Decathlon, in dem ich je war, hole ich mir noch ein paar nützliche Dinge zum Spottpreis. War ein toller Tag :-)

Tag 12: Vergne 

Zum ersten Mal habe ich echte Motivationsprobleme – kein Bock auf Radln. Heute geht es 83 km lang nur ums Kilometer Machen, erst durch den Stadtverkehr von Turin, dann über flaches, ödes Land. Das Tagesziel ist dann aber doch schöner und interessanter als erwartet; Vergne kennt man nicht, wohl aber die Nachbarkäffer: Barolo und Muscatel. Ja, das sind die mit den guten Weinen. Auf dem sehr schönen Campingplatz ist entsprechend auch ein bissl mehr los; Weintouristen aus ganz Europa treffen sich hier. 

Tag 13:  Demonte 

Heute hat das Radln wieder richtig Spaß gemacht, zum einen weil die Landschaft wieder reizvoller wird und Komoot mich über richtig schöne Nebenstraßen gelotst hat, zum anderen weil es wieder in die Berge geht, da geht mir gleich das Herz auf, das beflügelt mich. Auf dem Weg nach Demonte, meinem Tagesziel, fahre ich durch wunderschöne Kastanienwälder. Hier herbstelt’s auch schon, nur eben bei 25 Grad. Ich sehe einige Leute, die die vielen Kastanien einsammeln, vermutlich weil man sie essen kann. Auf dem Campingplatz in Demonte bin ich der einzige Camper. Morgen steht die Königsetappe auf dem Programm, Alpenüberquerung reloaded: 130 km über die Alpen, 2540 hm, es geht über Isola2000 nach Nizza. Dort warten das Mittelmeer, ein Zimmer und drei Tage Pause auf mich. 

Spendenaktion 

Es sind erst 400 € an Spenden für Wasser für Senegal eingegangen – da geht noch was! 

Informiere dich unter www.wasserfuersenegal.de oder schau auf meiner Seite unter Spendenaktion
Schon kleine Beträge können eine wertvolle Hilfe sein, um Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, die medizinische Versorgung für die Menschen dort zu gewährleisten und die Landwirtschaft vor Ort zu verbessern. 

Unter Angabe der Adresse erhält man eine Spendenquittung für die Steuer. 

Tag 14: Col de Lombarde, Nizza 

Heute also die große Fahrt über die französischen Alpen nach Nizza. Mir war klar, dass das eine lange Fahrt werden würde, aber ich hatte mir ausgerechnet, dass ich das in sechs bis sieben Stunden schaffen könnte, aber wie‘s halt so ist: es dauerte deutlich länger… Die Fahrt auf den Col de Lombarde, der auf der Grenze zwischen Italien und Frankreich liegt, war super und ein tolles Erlebnis, die Abfahrt nach Isola saukalt, der Weg nach Nizza zog sich dann, nicht zuletzt wegen des heftigen Gewindes, der mir vom Meer entgegen geblasen kam, hin. Aber nun bin da, Nizza, Mittelmeer, Fronkreisch, jetzt muss ich mein Schulfranzösisch herauskramen, ist schon 38 Jahre her… 

Tag 15: Nizza 

Den Erholungstag kann ich gut brauchen. Statt Radln steht heute Sightseeing in Nizza auf dem Programm. Die schönen Fassaden, die noblen Hotels, der berühmte Strand, das gibt es alles wirklich! Erst als ich ins warme Mittelmeer springe, wird mir bewusst, wie weit ich schon aus eigener Kraft gekommen bin. Am Opera Plage liege ich auf den Kieselsteinen und genieße die Sonne und das Relaxen. Sehr beeindruckend ist auch das MAMAC, moderne Kunst vom Feinsten und ein toller Blick von der Dachterrasse über die Stadt. Mein Zimmer dagegen ist eine Katastrophe, der Gastgeber legt auf Sauberkeit leider gar keinen Wert, mehr als duschen und schlafen werde ich dort nicht. 

Tag 16: Monaco 

Mit dem Zug geht es nach Monaco, das Wetter ist leider nicht so toll. Monaco ist schön und gepflegt, alles ist hochwertig und stilvoll hergerichtet und sauber, aber der Reichtum, der hier zur Schau getragen wird, ist schon extrem; da geht es nur noch ums Geld: teure Autos, teure Yachten, teure Hotels, teure Wohnungen. Mir ist das etwas zu viel. Ich besuche das ozeangraphische Museum, das mir sehr empfohlen wurde und das sich tatsächlich sehr lohnt, und das Casino, mache ein paar Fotos vor dem Palast des Fürsten und fahre dann wieder zurück nach Nizza. Für den Rest des Tages ist Chillen angesagt, denn zum einen wird morgen ja wieder geradlt, zum anderen regnet es eh, ich bekäme nur nasse Füße. 

Tag 17: Fréjus 

Fast 50 km lang geht es von Nizza über Antibes und Cannes nach Mandelieu auf der Route au borde de la mere, einer perfekt ausgebautem Radautobahn immer am Meer entlang – super! Natürlich mache ich an der berühmten Croisette, der Prachtmeile von Cannes, vor dem Hotel Carlton kurz Pause (und gehe zu McDonalds). Dann radle ich noch über einen kleinen Pass nach Frejus. Da soll es sehr hübsch sein, ich kriege aber nichts davon mit, weil es den restlichen Tag regnet. 


Manche Fragen tauchen immer wieder auf, daher hier mal Q&A: 

Hast du überhaupt noch Lust zu radeln? 

Tatsächlich ja! Ich habe echt Spaß am Radln, es ist so cool, mit dem Rad und nur aus eigenem Kraft durch halb Europa zu reisen, schöne Landschaften und Städte, Seen und das Meer zu erreichen. Keine Strecke kommt doppelt vor, jede Etappe bringt etwas Neues. 

Tut dir nicht irgendwann alles weh, vor allem der Hintern? 

Den Beinen geht’s gut, zumal ich ja eher gemütlich fahre; würde ich Vollgas geben, wäre ich spätestens nach drei Tagen platt. Das Sitzen macht mir auch keine Probleme, es gilt: Je interessanter die Strecke ist, desto weniger denke ich daran und spüre ich das. 

Ist es okay für dich, so bescheiden zu leben? 

Das Schlafen im Zelt finde ich richtig gemütlich, zumal ich wirklich Topmaterial dabei habe; Zelt, Isomatte, Schlafsack – alles in bester Qualität. Mir ist allerdings wichtig, dass es auf einem guten Campingplatz steht, mit sauberen sanitären Anlagen und heißen Duschen, und das war bisher immer gegeben, alle Plätze waren gut. Dass ich nur wenig Zeug habe (auf das Rad passt halt nicht viel), macht mir nichts aus. Alles, was ich dabei habe, brauche ich wirklich, ist echt wichtig, Überflüssiges gibt es nicht. 

Was vermisst du auf deiner Reise? 

Alles, was ich eh mag, was mir eh wichtig ist, wird mir dadurch, dass ich es unterwegs nicht habe, noch wertvoller: mein schönes Zuhause, das Kochen und Essen daheim, mal ein gemütlicher Fernsehabend, mein eigenes Bett, vor allem aber die Menschen, die mir wichtig sind. Und meine Katzen. Sogar dir Schule vermisse ich, die SchülerInnen, meine KollegInnen und das eingebunden Sein und Mitmachen. Aber man fährt ja auch weg, um hinterher umso lieber wieder zurückzukehren. Und ich freue mich jetzt schon auf meine Rückkehr und alles, was mich da erwartet. 

Aber ist es nicht manchmal traurig, all das allein zu erleben? 

Doch, das ist es manchmal schon. Solange ich auf dem Rad sitze und etwas passiert, geht’s mir gut, aber an den „freien“ Tagen, wenn ich an einem See oder am Meer sitze oder durch eine schöne Stadt bummele, ist das Alleinsein schon manchmal schwierig, würde ich diese Erlebnisse gerne teilen. Aber auch das ist eine mir wertvolle Erfahrung. 

Tag 18: Correns 

Ach ja, an der Cote d’Azur gibt’s ja diesen Wind, den Mistral. Auf 69 km kommt er mir heftig bis stürmisch entgegen, das macht das Radln ein bissl zäh. Ich verlasse die Küste und fahre in die Provence, hier gibt es vor allem Wein, sonst aber auch nicht viel. In Correns, wo ich am örtlichen Campingplatz mein Zelt aufstelle, bekomme ich nicht mal ein warmes Essen, es gibt nur eine Bar. 

Das Wetter schwächelt deutlich, es wird merklich kühler und regnet immer wieder. Von den anderen Deutschen, die am Campingplatz sind, erfahre ich, dass selbiger gestern wegen Überflutung evakuiert wurde, der Fluss in der Nähe war aufgrund der heftigen Regenfälle über die Ufer getreten. Auch heute tröpfelt es immer wieder.

Tag 19: Cucuron

Die Sonne scheint wieder! Beim Frühstück leisten mir ein Hund, ein Huhn, ein Rotkelchen und eine Schnecke Gesellschaft. Es hat sich deutlich abgekühlt, das T-Shirt zum Radln reicht nicht mehr. Zudem ist der Mistral stürmisch und kühl.

Meine Tour geht durch ländliche Gegenden, wo es außer Wäldern und Weinanbaufeldern nicht viel gibt. Ab Kilometer 35 habe ich Hunger, aber erst bei Kilometer 56 bietet sich die erste Möglichkeit etwas Essbares zu kaufen. Ich radle durch den Parc naturel de Luberon, eine Unesco als Biosphären-Reservat ausgewiesene Region – sehr schön. Den ganzen Tag bläst mir der Wind heftig entgegen, das kostet viel Kraft. Beim Kaffee in La Tour d’Aigue frage ich einen Einheimischen, ob das hier normal sei, er verneint Gott sei Dank. Auf dem lauschigen Campingplatz von Cucuron stelle ich mein Zelt auf und versuche im Dorf noch etwas Essbares einzukaufen, aber es gibt nichts – keine Bar, kein Restaurant, keinen Supermarkt. Schließlich finde ich doch noch eine eigentlich schon geschlossene Boulangerie, wo ich mir noch eine Quiche kaufen kann.

 Tag 20: Bedoin

1100 km und 11000 hm habe ich jetzt schon geschafft, das ist viel mehr, als ich geplant hatte, und gibt mir die Möglichkeit, noch ein paar schöne Extrastationen einzubauen, z.B. das, was ich für morgen vorhabe: der Mont Ventoux – ein Muss für jeden Radsportler! Der Mont Ventoux gehört mit der Alpe d'Huez, dem Col du Galibier und dem Tourmalet zu den großen Tour-de-France-Klassikern, den nehm ich natürlich mit. Deswegen radle ich heue nach Bédoin am Fuße des Ventoux. Die Strecke ist ein Genuss, die Landschaft wunderschön, und immer wieder komme ich durch malerische Orte wie Lourmarin oder Gordes, das zu Recht zu den Plus beaux villages de la France gerechnet wird. Alle waren da schon, die Kelten, die Römer, die Araber, die Protestanten und die Katholiken, und man kann sich gut vorstellen, dass die Cro-Magnon-Menschen in den Höhlen der umliegenden Berge gelebt haben; die Chauvet-Höhle ist nicht weit weg.

Ich freue mich schon auf den Ventoux morgen, auch wenn mir klar ist, dass es auf dem „Berg der Winde“ ganz schön kalt werden wird.

 Tag 21: Mont Ventoux 

Meine Vorfreude auf den Ventoux war ja eh schon riesig, aber dann kommt es noch viel besser als erhofft: Nach zwei Tagen, an denen der Mistral heftigst wehte, herrscht heute absolute Windstille, der Himmel ist tiefblau und es ist angenehm warm – der perfekte Tag! Also starte ich am späten Vormittag und stehe zwei Stunden später mit vielen anderen Radlern überwältigt auf dem 1909 m hohen Sommet de Ventoux. Was für ein Ausblick! In der Ferne sieht man schneebedeckte Gipfel. Was für eine schöne Stimmung da oben mit all den anderen glücklichen Radlern! Erfüllt und dankbar genieße ich die 22 km Abfahrt und verbringe den Rest des Tages damit, dieses tolle Erlebnis auszukosten und mich in der Sonne zu erholen. 

Tag 22: Avignon
Kurze Fahrt nach Avignon, da habe ich mir für zwei Nächte ein Zimmer gebucht. Beim Decathlon 
decke ich mich mit warmen Klamotten ein; das, was ich dabei habe, reicht nicht mehr aus, denn die Nächte werden immer kälter. Dann wasche ich noch meine Wäsche und gehe einkaufen; morgen wird gekocht. Abends bummele ich noch ein bissl durch Avignon. Das ist eine sehr schöne Stadt, das mittelalterliche Stadtbild und die vielen schönen Lokale gefallen mir sehr.

Tag 23: Avignon

Entspannter Pausentag in Avignon - den kann ich nach sechs Radtagen auch brauchen. Ich bummele durch die schöne Stadt, mache Sightseeing, lese in der Sonne und koche mir einen Teller Nudeln – das tut gut.

    

Der Spendenstand lässt immer noch zu wünschen übrig – Leute, da geht noch was! Mein Ziel ist: so viele Euros wie geradelte Kilometer! Wir schaffen das. 
Hier nochmal die IBAN von „Wasser für Senegal e.V.“:

DE65 7335 0000 0320 2438 35 

Verwendungszweck: Road to Lissabon

Tag 24: Nimes, Castries
Ich verlasse Avignon, auf Chateau-neufe-de-Pape verzichte ich, außer edlem Wein gibt es da nichts. 
Der Wind bläst wieder, aber da ich nach Südwesten abdrehe, kommt er meistens von hinten. Ich 
fliege also fast nach Nimes, für das ich einen kleinen Umweg in Kauf nehme. Den Dom und die Arena 
will ich einfach sehen! An der Rhone entlang geht’s entspannt durch endlose Weinfelder, hier kommt
der gute Cote de Rhone her. Nach 70 km wollte ich eigentlich mein Zelt in Vauvert aufstellen, aber 
der Campingplatz ist schon in der Winterpause. Also weiter nach Castries, gar nicht mehr weit weg 
von Montpellier, nochmal gut 30 km. Am Abend ist es schon richtig kalt, ich bin froh um meine neue 
Daunenjacke.

Tag 25: Montpellier, Marseillan Plage 
Bei sehr angenehmen Temperaturen geht es zunächst nach Montpellier – so eine schöne Stadt! Und da muss ich natürlich ins Musée Fabre, eines der bedeutendsten Museen des Landes. Zu Recht, die Ausstellungsräume sind toll, die Sammlung ist riesig und beeindruckend, ich bleibe über zwei Stunden. Auch für den Rest der Stadt hätte ich mir gerne noch mehr Zeit genommen, dabei bleibe ich eh schon viel länger als geplant, weil es da so viele schöne Plätze zu sehen gibt. 
Aber ich will ja noch ans Meer heute, nach Marseillan Plage, und rechtzeitig zum Sonnenuntergang am Strand bin ich auch da. Die letzten 12 km fahre ich an einem traumhaften, breiten und menschenleeren Sandstrand entlang. Hier bleibe ich einen Tag länger und mache einen Strandtag

 Tag 26: Marseillan Plage 

Heute ist fast nichts passiert – und so war’s ja auch gedacht; ein echter Pausentag, an dem ich meine Wäsche waschen, mein Rad pflegen und meine Beine ausruhen kann. Also sitze ich die meiste Zeit am kilometerlangen Strand in der warmen Sonne und lese.

Im Hochsommer geht es hier bestimmt höllisch zu, davon zeugen endlose Reihen von Restaurants, Cafés, Imbissläden, Eisdielen, Shops für Strandbedarf und solche für Ramsch, den man daheim gleich wieder wegwirft, aber jetzt sind 95% davon geschlossen; nur nach längerer Suche finde ich eine Bäckerei und einen kleinen Lebensmittelladen. Aber ich find’s herrlich so und genieße die Ruhe und den leeren Strand. 

 Tag 27: Narbonne, la Palme

Die Region Occitaine, durch die ich inzwischen radle, ist auch sehr schön, vor allem aber ist sie im Vergleich zur Provence ziemlich flach. So komme ich gut voran und kann mir in Ruhe Zeit nehmen um das schöne Narbonne anzuschauen – dachte ich. Der Campingplatz in der Nähe hat jedoch schon zu und bis zum nächsten sind es noch über 30 km. Also trete ich nochmal ordentlich in die Pedale und komme bei Sonnenuntergang in La Palme an.

Hier verbringe ich zum ersten Mal auf meiner Tour den Abend im Gespräch mit eine anderen Bikepackerin, Melissa aus Kolumbien, die in Montpellier ihren Master macht und nach Barcelona radelt. Eigentlich hatte ich ja damit gerechnet, immer wieder solche Begegnungen zu haben, aber es sind nur sehr wenige Radler unterwegs, und auf den Campingplätzen bin ich grundsätzlich der Einzige mit Zelt und Rad unter lauter Senioren im Wohnmobil…

Tag 28: Argelès-sur-Mer
Vier Wochen bin ich jetzt unterwegs, 1584 km bin ich geradelt, das dürfte gut die Hälfte der Strecke sein. Ich liege also gut in der Zeit und kann es mir leisten, meine Priorität bei der Streckenauswahl von „möglichst kurz“ auf „vor allem schön“ zu verschieben. Dazu gehört der Abstecher nach Perpignan heute und meine Entscheidung, morgen schon wieder einen Pausentag einzulegen, denn der Strand von Argelès-sur-Mer ist fantastisch, den will ich genießen. Die Flamingos, für die die Gegend um Narbonne bekannt ist und die ich so gerne gesehen hätte, entgehen mir irgendwie, gerade mal ein kleines Grüppchen sehe ich aus der Ferne. Die Tour ist trotzdem schön.

Tag 29: Argelès-sur-Mer
Pausentag, ich wasche meine Wäsche, repariere meinen ersten Platten (erstaunlich angesichts der 
irre vielen Scherben, die immer am Straßenrand liegen) und entspanne mich am schönen, leeren 
Strand von Argelès-sur-Mer. Heute ist ein Artikel über mich in der Allgäuer Zeitung erschienen, 
daraufhin melden sich gleich ein paar Leute (sogar ein ehemaliger Schulfreund) bei mir; das freut 
mich sehr. Sonst passiert an diesem Tag nichts - außer dass meine Powerbank mit Ladegerät aus 
dem Waschraum geklaut wird, wo ich sie zum Laden gelassen hatte. Wer hätte das von den Senioren 
hier erwartet...?